Erasmusprojekt (Aachen / Barcelona) 

13.-19. April 2026Food Ethics and Sustainability (Ethik des Essens)

What we (don’t) know and what we (don’t) eat.   (Q1 mit RUS / WEI)

Unser Erasmusprojekt 2026 zum übergreifenden Thema Nachhaltigkeit knüpfte nahtlos an die Projekte der letzten Jahre mit unserer IB-Partnerschule Institut Forat del Vent in Cerdanyola (bei Barcelona) an: Nach der vorangegangenen Beschäftigung mit den Themen Plastikmüll und Recycling, Wasserverbrauch und Verkehr fuhren auch in diesem Jahr wieder mit dem Schnellzug über Paris nach Barcelona und nahmen in diesem Jahr die „Ethik des Essens (Food Sustainability)“ in den Blick, in die Hand und in den Mund ! 

Die Ethik und Nachhaltigkeit der Nahrung umfasst weitaus mehr Aspekte, als man zunächst denkt: schon bei der Produktion von Lebensmitteln stellen sich ethische Fragen, die faire Produktionsbedingungen, den Einsatz schädlicher Chemikalien, den direktenund indirekten Wasser- und Landschaftsverbrauch, ökologische Aspekte sowie das Thema Tierwohl betreffen. Bei der Verpackung und dem Transport von Nahrungsmitteln treten die Aspekte Emissionen und Müll in den Vordergrund. Der nächste Schritt, die Verteilung und der Konsum werfen die Frage nach sozialer Gerechtigkeit auf und wenn es schließlich um die Entsorgung und Wiederverwendung organischer Abfälle bzw. von Verpackungsmüll geht, drängen sich Fragen zu Klimaschutz und der Plastikvermüllung der Meere auf! 

Schon zu Beginn des Projektes – beim Sammeln von Fragen, Ideen und Informationen im kooperativen Padlet wurde uns klar, wie eng unser FOODprint mit philosophischen Aspekten und den UNNachhaltigkeitszielen verknüpft ist. Daraus ergeben sich einige Fragen:

Was wissen wir bereits? Inwieweit beeinflusst unser Wissen das Handeln – und umgekehrt? Wie können wir unser Wissen erweitern, weitergeben und nachhaltiges Handeln nicht nur selbst praktizieren, sondern auch anderen ans Herz legen? 

Daraus erwachsen Synergieeffekte: Unser Projekt verband sich mit Fragen aus fast allen Unterrichtsfächern innerhalb und außerhalb des IB sowie den IB Kernkomponenten CAS (Creativity, Activity, Service) und TOK (Theory of Knowledge) durch die kooperative Beschäftigung mit Global Issues und Ethics. Die Dokumentation unserer Eindrücke in Bild und Text dient hoffentlich nicht nur alsReflexionsanlass für uns als Teilnehmende, sondern auch als Inspiration für die Schulgemeinschaft und darüber hinaus!

Genug der Theorie, was haben wir also vor Ort erkundet und ausprobiert, um unser Wissen zu erweitern und nachhaltige Erfahrungen daraus wachsen zu lassen? Natürlich kann man nicht über Essen nachdenken, ohne es auch zu tun 😉 – der praktische Teil des Projekts begann also mit einer Erkundung lokaler Einkaufsoptionen – den Wochenmarkt von Cerdanyola. Beim Einkauf für das gemeinsame SustainableBarbecue zum Auftakt achteten wir besonders darauf, wo das Essen produziert wurde (fast alles kam von von Familienbetrieben aus der Umgebung) und wie es verpackt wurde 

(um die notorische Plastiktüte zu vermeiden, musste man schnell sein – nicht alle Marktbeschicker waren mit der Aktion Mercatssetmanalssostenibles – Mercatssostenibles – Diputació de Barcelonazur Vermeidung von Einmalverpackungen vertraut…).

Den zweite Projekttag prägte einen Besuch in einem „Edible Garden“ der gemeinnützigenFundació Ferrer Green forGooddie nicht nur ökologische, sondern auch soziale und integrative Projekte fördert. Wir lernten das Prinzip der „regenerative agriculture“ kennen, die versucht, von Prinzipien und Strategien der Natur zu lernen. In diesem Garten wird der wertvolle Boden mit seinen unzähligen Mikroorganismen geschont, die Kombination bestimmter Pflanzenarten ersetzt sämtliche Dünge- oder Pflanzenschutzmittel und die saisonale Ernte wird als Integrationsprojekt eingeholt und geht an bedürftige Menschen in der Umgebung. Auch hier blieb es nicht bei der Theorie: Wir durften Früchte und Kräuter direkt ernten und probieren und konnten den Unterschied zu „herkömmlichen“ Produkten intensiv erfahrennd desselben Tages unterstützten wir lokale Clean Beach Initiative mit einer Müllsammelaktion am Strand. In diesem Jahr sammelten wir im schönsten Sonnenschein vor den Augen derzahlreichen Badegäste (in der Hoffnung, dass sie ihr Handeln bei unserem Anblick ebenfalls hinterfragten) und trennten den Müll anschließend zur Entsorgung und Auswertung. 

Es war klar zu erkennen, wie viel der gefundenen Verpackungen mit dem Konsum von Nahrung zusammenhing: Von der Getränkedose und dem Plastikbecher, über Plastikstrohhalme und Schokoriegelhülle bis hin zu unzähligen kleinen Mikroplastikfragmenten, die sich im Meer durch den Einfluss von Sonne, Salzwasser und Wind aus den vormals größeren Verpackungen gebildet hatten. Auch in diesem Jahr war es erschreckend zu sehen, wieviele Zigarettenkippen (trotz Rauchverbot!)am Strand zu finden waren – viele davon offensichtlich schon sehr alt: Hier zeigten sich die Folgen des „Nichtwissens“ sehr deutlich: Auch in unserer Gruppe war nicht allen Teilnehmenden klar, dass Zigarettenstummel nicht nur aus Papier und Baumwollesondern aus langen (und langlebigen) Mikroplastikfasern bestehen, durchsetzt mit gefährlichen Schadstoffen….

 Am nächsten Tag besuchten wir ein Weingut (Codorniu) außerhalb der Stadt, wo wir eine Lösungsmöglichkeit zum nachhaltigen Handeln – auch im großen Maßstab – kennenlernen durften: Kreislaufwirtschaft (Codorníu and its circular revolution). Die dort produzierten Trauben werden beim Anbau gedüngt mit den kompostierten organischen Abfällen des angeschlossenen Restaurants nach einem innovativen Systemder  Sobra® – Food Waste Solutions. Wir erhielten eine Menge Hintergrundwissen (z.B. über die Tatsache, dass organische Abfälle bei herkömmlicher Entsorgung in Deponien große Mengen des extrem klimaschädlichen Methans bildet) und duften selbst Kompost ansetzen, im Behälter die Temperatur messen und eigene Pflänzchen zusammen mit Kompost anpflanzen. Danach stand Kochen und probieren auf dem Programm… die vegetarische Paella schmeckte herausragend – auch der Fleischverzicht spart schließlich große Mengen an Wasser, Land und Emissionen! 

Mit dem erweiterten Wissen stand unser Einkauf für das Mittagessen unseres letzten Projekttages unter dem Motto „Buy Bio“. Wir stellten uns die Frage, ob z.B. auch der spanische ALDI -Discounter dieselbe Bio-Produktpalette anbietet wie in Deutschland, und wurden nicht enttäuscht: Wir fanden lokal produzierte, unverpackte Pistazien und Obst zum Abfüllen in kompostierbaren oder wiederverwendbaren Beuteln, Bio-Karotten mit 30% Nachlass zur „Lebensmittelrettung“, Fleisch- und Kuhmilchersatzprodukte und vegane Süßigkeiten

Wer sucht, der findet: auch einige unserer spanischen Partner waren überrascht über günstige ECO-Alternativen, die sie vlt. beim nächsten Einkauf den verpackten und weniger biologisch angebauten Produkten vorziehen werden. Allerdings bleibt offen, was genau die von uns herausgesuchten Label wirklich aussagen und ob importierte „Bio“-Produkte den lokalen Produkten vom Wochenmarkt tatsächlich in Sachen Nachhaltigkeit überlegen sind.

Welche Rolle spielt die Natur für unser Wissen und Handeln in der Kunst? Der katalonische Architekt Antoni Gaudí begriff – ähnlich wie unser Experte Naxo in den „Edible Gardens“ – die Natur als Lehrmeisterin für seine Werke. Sein Park Güell (hier gab es unser Picknick mit den zuvor gekauften Bioprodukten) imitiert Formen und Farben der Natur und die  berühmte Kirche Sagrada Família erinnert in ihrer Statik und Atmosphäre an einen Wald und verbindet Symbole wie Weintrauben und saisonale Früchte in Analogie zu Tages- Jahres- und Lebensabschnitten Jesu mit christlicher Religion und Eucharistie. 

Auf dem Rückweg durch Paris hatten wir noch genug Zeit für ein veganes Abschlussessen im kleinen indischen Lokal „le Petit Veg“ nahe des Nordbahnhofs. Eine kurze Reflexion zeigt, dass auch hier niemand von uns Fleisch- oder Milchprodukte vermisste – nur die Schärfe der indischen Küche war für einige von uns eine Herausforderung – der vegane „Mango Lassi“ brachte Linderung…!

So hatten wir in dieser Woche viel Spaß und wunderbare kulinarische Momente, verbunden mit einer Menge neuer Einsichten und Ideen. Wir hoffen, dass wir in Zukunft bewusster wahrnehmen, was und wie wir Nahrung konsumieren – und welche nachhaltige(re)n Alternativen es gibt!

Sonja Rustemeyer, Manuela Weißenbach und die teilnehmenden Schülerinnen der Q1

Hier noch der Link zu unserer Dokumentation (inkl. Projektpräsentation, Fotoalbum, Reflexionen und Projektfilm!):https://padlet.com/ruslg/erasmus-food-sustainability-project-2026-documentation-mdtohkwzzyist7zm